Förderverein Kloster Heiligkreuztal e.V.
 
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  Geschichte

Die Frauenzisterze Heiligkreuztal geht auf eine 1227 entstandene Beginengemeinschaft zurück. Damit gehört sie zu den fünf oberschwäbischen Beginensammlungen, die sich in der Regierungszeit des Stauferkaisers Friedrich II den Zisterziensern anschlossen: Wald, Baindt, Gutenzell und Heggbach. 1233 erfolgte die Übernahme in den Zisterzienserorden und die Betreuung durch das Zisterzienser-Männerkloster Salem. Bereits in der Anfangszeit erlebte das Kloster eine Blüte. Aus dieser Zeit stammt die sogenannte Johannesminne, die als Symbol der im Bodenseeraum verbreiteten Frauenmystik (um 1300) gilt. Sie steht in einer Nische im Chor der gotischen Kirche und damit vermutlich an ihrem Ursprungsplatz.

Eine erneute Blütezeit begann mit der Äbtissin Veronika von Rietheim (1520-1521), deren Wappen man x-mal in der Anlage vorfindet. Während  anderswo in dieser Zeit infolge der Reformation Klöster aufgelöst wurden, gestaltete sie die Anlage grundlegend neu. Die von ihr veranlasste Ausmalung des Kreuzgangs mit der sogenannten Äbtissinnengalerie ist einmalig in Süddeutschland. Sie erbaute auch das Äbtissinnengebäude, in dessen Festsaal der Förderverein seine Mitgliederversammlung abhält. Erst die Äbtissin Maria Josepha Holzapfel von Herxheim (1723-1761) brachte mit Rokokostuck und Barockbauten erneut bauliche Veränderungen.

Der Schutz und Schirm des Klosters (Schutzvogtei) oblag der Grafschaft Sigmaringen und damit seit dem Aussterben der Grafen von Werdenberg (1534) den Grafen von Zollern. Es gelang dem Kloster jedoch, sich Habsburg als übergeordnetem Lehensherren  direkt zu unterstellen. Als Teil Schwäbisch-Österreichs und damit Vorderösterreichs erlangte es eine weitgehende Unabhängigkeit. Im Laufe der Zeit wurden die Dörfer Andelfingen, Waldhausen, Binzwangen, Hundersingen, Beuren, Friedingen und Ertingen erworben. In beiden Letzteren besaß die Äbtissin sogar die Hochgerichtsbarkeit, weshalb ein Galgen in der Nähe des Klosters errichtet wurde. Die letzte Station auf dem Weg zum Galgen war die Schächerkapelle, deren Renovierung sich der Förderverein vorgenommen hat.

In der Napoleonischen Säkularisation (1803) nahm Heiligkreuztal eine Sonderstellung ein, da es trotz Zugehörigkeit zu Vorderösterreich dem Kurfürstentum Württemberg zugeschanzt wurde. Die sich daraus ergebenden diplomatischen Verwicklungen bewirkten, dass es erst 1804 aufgehoben wurde. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Klosterterritorium rund 75 km² mit 8 Dörfern und über 4.000 Einwohnern. Darin inbegriffen waren die drei Grangien (= Domänenhöfe) Dollhof, Landau und Talhof. Nach der Auflösung erhielten die Nonnen das Recht, bis zu ihrem Tode im Kloster leben zu dürfen, weshalb die letzte erst 1843 auszog.  Damals gerieten viele Kunstwerke in Privatbesitz, darunter die inzwischen durch den Förderverein zurückgekaufte Mondsichelmadonna und der Äbtissinnenschrank. Die Gebäude dienten als Landwirtschaftsamt, Rathaus, Schulhaus, Gaststätte und Wohnungen. Schließlich (1973) verkaufte das Land Baden-Württemberg die baufällige Anlage an die Stefanus-Gemeinschaft, eine katholische Laienorganisation. Diese renovierte die Anlage in weitgehender Eigenarbeit, richtete darin ihre Zentrale ein und nutzt sie seitdem als Bildungsstätte.

Heute kommt der Besucher in eine Anlage mit Gebäuden von der Romanik bis zur "Betonik". Sie ist damit die einzige Klosteranlage in Baden-Württemberg, die beinahe 800 Jahre lang ohne Brand oder Kriegszerstörung gewachsen ist und noch heute, inzwischen als Tagungshaus, "lebt". Seit 2009 ist der Tagungsbetrieb an die Diözese Rottenburg-Stuttgart verpachtet. Dafür werden die gotische Konventanlage sowie historische Verwaltungs- und Wirtschaftsbauten genutzt. Zur in sich geschlossenen Anlage gehört ein Gelände von rund 17 ha mit Badesee und Bolzplatz, durchflossen von einem Bach, umgeben von der ehem. Klausurmauer. Die Anlage vermittelt in idealtypischer Art das Bild des weltabgeschiedenen Frauenklosters.